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Über Uns

Auf dem Ralzhof hat der Samenbau sein Zu Hause. Hier finden auf einer Fläche von ca. 2 ha vielfältige Tätigkeiten rund um das Saatgut statt:

  • Produktion von biologisch-dynamisch angebautem Saatgut. Wir bauen verschiedenste Gemüse- Kräuter- und Blumensorten an und ernten die Samen
  • Pflege von bewährten Sorten.
  • Forschung und Versuchsanbau.
  • Entwicklung von neuen Gemüsesorten für den ökologischen Anbau.

In unserer Arbeit begleiten wir die Pflanze durch ihre ganze Biografie – vom Samen zum Samen. Das Erleben der ganzen Pflanze in ihrem zeitlichen Verlauf ist es, was uns begeistert, fasziniert und motiviert. Wenn Sie Interesse haben, einen Einblick in diese Welt zu erhalten, kontaktieren Sie uns – auf Anfrage bieten wir gerne Führungen und Informationsveranstaltungen rund um das Saatgut an.

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Die Saatgut-Kollegen

Wir sind Teil des “Initiativkreises für Saatgut aus biologisch-dynamischem und ökologischem Anbau”. Der Initiativkreis ist ein formloser Zusammenschluß von zur Zeit etwa 80 Betrieben, die Saatgut vermehren und Sorten erhalten oder züchten. Wir treffen uns zweimal im Jahr zum Austausch von Themen rund um das Saatgut.

Zum Initiativkreis gehören auch Unternehmen und Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten.

hier erhalten Sie Gemüse-, Kräuter- und Blumensaatgut aus ökologischem Anbau über Versandkataloge oder direkt im Online-Shop.

Für Züchtung und Forschung haben wir uns mit über 20 weiteren Züchtern zu dem gemeinnützigen Verein “Kultursaat e.V.” zusammengeschlossen. Hier findet ein intensiver fachlicher Austausch statt, es werden Spenden eingeworben, um die aufwändige Forschungs- und Züchtungsarbeit zu unterstützen und die Sorten, die aus unserer Arbeit hervorgehen, gehören dem Verein und sind somit nicht Privateigentum sondern sind der Allgemeinheit zugänglich und bleiben Kulturgut.

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RENGO_Samenbau_Partner_Culinaris
RENGO_Samenbau_Partner_sativa
RENGO_Samenbau_Mitglied_Kultursaat

Unsere Arbeit am Ralzhof

Für den Anbau stehen uns rund um den Ralzhof 2 ha Freiland- und 1000 m² Folienhausfläche zur Verfügung. Bei unserer Arbeit nach den Grundsätzen des biologisch-dynamischen Landbaus ist es uns besonders wichtig, den Boden als lebendigen Organismus zu betrachten und zu pflegen, die Landschaft passend anzulegen und ein Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren und Menschen zu gestalten. So kann die Pflanze in aktivem Zusammenspiel mit dem Boden und dem gesamten Umfeld ihr volles Potential entwickeln und an ihre Nachkommen weitergeben.

Wir produzieren Saatgut im Auftrag von verschiedenen Bio-Saatgutfirmen, vorwiegend für die Bingenheimer Saatgut in Deutschland und die Sativa in der Schweiz. Wir sind verantwortlich für Anbau, Ernte, Drusch und Vorreinigung. Das vorgereinigte Saatgut schicken wir zu den Firmen. Hier wird es verkaufsfertig gereinigt, geprüft, abgepackt und versandt. Durch die Struktur unseres Betriebes sind wir prädestiniert für kleine und mittlere Saatgutpartien. So ergibt sich eine große Vielfalt von Arten und Sorten: in den letzten Jahren haben wir pro Jahr auf unseren 2 ha etwa 30 wechselnde Sorten aus ca. 20 verschiedenen Kulturen zur Saatgutvermehrung angebaut.

Der Ausdruck “Züchtung” steht für die Entwicklung und Pflege von Sorten durch konsequente Auslese von Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften. Für unsere Züchtungsarbeit haben wir uns für den Umgang mit der ganzen Pflanze entschieden. Wir verwenden Methoden der klassischen Kreuzungs- und Auslesezüchtung, arbeiten mit spontan auftretenden Ausreißern und setzen auf die Veränderung der Pflanze durch Umwelteinflüsse. Labortechniken bis hin zur Gentechnik, die in die Zelle oder gar die DNA eingreifen, kommen für uns nicht infrage. Wir erforschen neue Wege im Umgang mit der Pflanze. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern arbeiten wir an Fragen über die Wirkung von Eurythmie oder kosmischen Einflüssen auf das Pflanzenwachstum sowie der Entwicklung von neuen Züchtungstechniken.

Damit eine Sorte ihre Eigenschaften nicht verliert, muß regelmäßig eine strenge Selektion erfolgen. Nur die besten sortentypischen Pflanzen werden ausgewählt und ihr Saatgut als sogenanntes Elitesaatgut geerntet. Aus diesem werden dann die Vermehrungsbestände herangezogen, von denen das Saatgut für den Verkauf geerntet wird. Wir führen im Auftrag der Bingenheimer Saatgut oder von Kultursaat immer wieder Selektionen für die Erhaltungszüchtung verschiedenster Sorten durch.

Neben der Erhaltung bewährter Gemüsesorten arbeiten wir besonders an der Entwicklung von neuen, samenfesten Sorten für den ökologischen Anbau. In Rengoldshausen ist aus der Züchtungsarbeit von Brigitte von Wistinghausen bereits 1992 die Spinatsorte “Verdil” hervorgegangen, eine besonders wohlschmeckende Sorte für den Überwinterungs- und sehr zeitigen Frühjahrsanbau. Die erste angemeldete Neuzüchtung von Vera Becher ist ein roter Batavia namens “Tarengo“. Aktuell wird an folgenden Kulturen gezüchtet: Aubergine, Buschbohne, Chicoree, Fenchel, Gurke, Lauch, Paprika, Peperoni, Salat, Spinat, Tomate. Für jede neue Sorte ist das ein Prozess über mindestens 6-8 Pflanzengenerationen hinweg, dauert also viele Jahre. Kriterien für die Auswahl unserer Züchtungspflanzen sind:

  • Gesundheit und Widerstandsfähigkeit
  • Anbaufähigkeit und Ertrag
  • guter, typischer Geschmack und Reifefähigkeit
  • harmonisches Pflanzenwachstum, Fähigkeit der Pflanze zur Auseinandersetzung mit dem Umfeld.

Wir wollen Kulturpflanzen entwickeln, die den Menschen nicht nur sättigen, sondern auch innerlich stärken. Unsere Züchtungstätigkeit wollen wir im Dialog mit der Pflanze ausführen. Die Arbeit innerhalb eines vielfältigen biologisch-dynamischen Betriebes ist für uns Grundlage und Voraussetzung. Damit eine fertig gezüchtete Sorte in den Verkehr gebracht werden darf, muß sie beim Bundessortenamt angemeldet werden. Die Verantwortung für Prüfung und Anmeldung übernimmt der Verein Kultursaat. Die Sorte geht in den Besitz des Vereins über.

Was heißt eigentlich “samenfest”?

Eine samenfeste Sorte ist nachbaufähig

Eine Sorte ist samenfest, wenn die Pflanzen, die aus ihren Samen wachsen, dieselben Eigenschaften haben wie die Elternpflanzen. Eine samenfeste Sorte ist also nachbaufähig. Das ist eigentlich das Natürlichste der Welt. Alle alten Sorten sind samenfest, in der ökologischen Züchtung entstehen auch viele neue samenfeste Sorten.

Hybridsorten und moderne Pflanzenzüchtung

Seit den 1920er Jahren erobern zunehmend Hybridsorten den Markt, die samenfesten Sorten verschwinden nach und nach. Was aber ist eine Hybridsorte? Eine Hybridsorte ist das Produkt einer Kreuzung zweier Zuchtlinien. Bei der Hybridzüchtung müssen zunächst reinerbige Inzuchtlinien erzeugt werden. Hierzu werden die Pflanzen über 7-10 Generationen zur Selbstbestäubung gezwungen. Dabei werden sie immer schwächer. Kreuzt man dann zwei solcher Inzuchtlinien miteinander, so erhält man das Saatgut einer Hybridsorte, die sogenannte F1 – die erste Filial- oder Folgegeneration.

Uniformität und Heterosis

Kreuzt man die passenden Inzuchtlinien, so tritt der sogenannte Heterosiseffekt auf. Dieser besagt, daß Nachkommen einer Kreuzung zu höheren Erträgen fähig sind als die Elternpflanzen. Zudem sind bei der Kreuzung zweier Inzuchtlinien, also bei einer F1 Hybride, alle Nachkommen gleich – eine Pflanze sieht aus wie die andere, sie haben die gleiche Form, die gleiche Größe, den gleichen Erntezeitpunkt. Und einen hohen Ertrag. Für den Erwerbsgärtner, die industrielle Landwirtschaft und den Handel bringt das große Vorteile.

F1-Hybridsorten sind nicht samenfest

Leider ist die F1-Hybridsorte nicht samenfest und damit eine Art Einbahnstraße. Das Saatgut der Hybridpflanzen kann nicht sinnvoll weiter verwendet werden, da sie ihre Eigenschaften nicht mehr stabil vererben, sondern nach den Eigenschaften der Elternpflanzen bunt aufspalten. Viele der so entstehenden Pflanzen kann der Anbauer nicht gebrauchen. Wer eine Hybridsorte anbauen will, muß das Saatgut jedes Jahr bei der Züchterfirma neu kaufen.

Pflanzenzüchtung und Welternährung

Mit der Hybridzüchtung beginnt die moderne, laborgestützte Pflanzenzüchtung. Hier verknüpfen sich für die Züchtungsfirmen interessante wirtschaftliche Vorteile mit dem Anliegen der Welternährung. Daß aber dieses hohe Ziel nicht mit den Mitteln der industriellen Landwirtschaft erreicht wird, sondern durch eine ökologische, bäuerliche Landwirtschaft, zeigt eindrücklich der Weltagragbericht.

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CMS-Hybriden

F1 Hybriden sind auch im Bioanbau weit verbreitet. Einen problematischen Spezialfall stellen allerdings die sogenannten CMS-Hybriden dar, Sorten mit biotechnologisch eingebauter Pollensterilität, deren Anbau von den Bioverbänden nicht zugelassen ist.

Kontakt

Hofgut Rengoldshausen Samenbau

Vera Becher & Iris Attrot

Ralzhof

88682 Salem

Tel. 07553-828248 (AB)